02. Apr. 2025

Schiedsrichter mit  Spielern im Kreis

TV-Revolution per Zufall

Heute vor genau 30 Jahren wurde das erste Spiel der heimischen Bundesliga live im Fernsehen übertragen. Ein Zufallsprodukt, wie sich ORF-Legende Hans Huber erinnert. Es war der Startschuss in eine TV-Ära, die den Fußball bis heute prägt.

Es ist schon erstaunlich, was passieren kann, wenn der Zufall Regie führt. Genauer gesagt der Regen. Der verhinderte nämlich, dass das Top-Spiel der 24. Runde der Saison 1994/95 wie geplant am Samstag, den 1. April im Lehener Stadion stattfinden konnte. „Das Match wurde um einen Tag verschoben“, erinnert sich Hans Huber, der damals für die ORF-Sendung „Fußball“ die Zusammenfassung der Partie Austria Salzburg gegen Austria Wien kommentieren sollte. Ein echtes Highlight: Erster gegen Zweiter, die Salzburger hatten einen läppischen Zähler Vorsprung (es galt noch die Zwei-Punkte-Regel), nur noch sechs Runden standen aus. Doch sintflutartige Regenfälle und ein unter Wasser stehender Platz machten den Fans, die dem Showdown entgegenfieberten, einen Strich durch die Rechnung.

„Ich habe mich dann mit Rudi Quehenberger (Anm.: Präsident der Salzburger) unterhalten und auf einmal stand eine Idee im Raum: Wenn das Spiel auf Sonntag verschoben wird und an dem Tag sonst kein Bundesliga-Fußball stattfindet, könnten wir das Spiel doch live übertragen“, erzählt Hans Huber. Ein durchaus revolutionärer Gedanke. Zwar gab es Übertragungen von Länderspielen oder Europacup-Partien. Aber ein Spiel aus der Bundesliga? Das war absolutes Neuland. Nicht zuletzt deshalb, weil die Befürchtung bestand, die Fans würden nicht mehr in die Stadien pilgern, wenn ihnen die 90 Minuten in ihre Wohnzimmer geliefert würden.

Doch Huber und Quehenberger waren fest entschlossen, ihren Plan durchzuziehen. Erst wurde der damalige ORF-Sportchef Elmar Oberhauser ins Boot geholt, in weiterer Folge auch Intendant Gerhard Zeiler. Vom Freiräumen des Sendeplatzes bis zur Klärung aller Rechte und Pflichten gab es einiges zu bedenken.

Dabei erwies sich die technische Umsetzung als das geringste Problem. Schließlich war die komplette Technik, die man ohnehin für die Zusammenfassung am Samstag gebraucht hätte, vor Ort. „Die haben wir einfach um einen Tag verlängert“, erzählt Huber. Mühsamer war da schon, sich auf eine Summe zu einigen, die der ORF an die beiden Klubs bezahlt, um sich die Übertragung vergelten zu lassen. Wie hoch diese war, weiß Huber heute nicht mehr genau. „Aber ich meine mich an eine Zahl im höheren sechsstelligen Schilling-Bereich zu erinnern.“

Nachdem auch die Austria zugesagt hatte, konnte also Geschichte geschrieben werden. Pünktlich um 18 Uhr pfiff Schiedsrichter Gerd Grabher am Sonntag die Partie an, das Stadion in Salzburg war mit knapp 15.000 Zuschauern voll. Sie bekamen ein Spiel geboten, bei dem das Heimteam schon zur Halbzeit durch einen Doppelschlag von Mladen Mladenovic mit 2:0 führte. Für den Endstand zum 3:0 und damit die Vorentscheidung im Meisterschaftsrennen sorgte Heimo Pfeifenberger. „Dass das Spiel live übertragen wurde, war für uns Spieler schon etwas Besonderes“, erinnert er sich. „Von internationalen Spielen waren wir es ja ein bisschen gewohnt, aber in der Liga haben wir es schon als eine Revolution wahrgenommen.“

Heimo Pfeifenberger jubelt

Und zwar eine, von der viele Seiten profitierten. Die Fans, die ihrer Lieblings-Mannschaft jetzt viel öfter beim Kicken zuschauen konnten. Die Vereine, die schnell begriffen, dass man mit TV-Rechten finanziell sehr lukrative Erlöse erwirtschaften konnte. Und die Spieler, die durch die TV-Präsenz ihre eigene Marke pflegen konnten. „Wir haben das ja damals gar nicht kapiert“, sagt Pfeifenberger. „Aber auf einmal kamen wir in Zeitschriften wie dem Rennbahn-Express vor. Das hatte schon mit dem Fernsehen zu tun.“ Spieler wie er oder Otto Konrad wurden zu nationalen Superstars, die weit über den Fußball hinaus strahlten.

Die Entwicklung war jedenfalls nicht mehr aufzuhalten. „Bereits in der Saison drauf gab es im ORF ein Live-Spiel pro Runde“, erinnert sich Hans Huber. Mit dem Einzug der Privatsender und später des Pay-TV wurden die Übertragungen immer umfangreicher. Bis zum heutigen Tag, da jedes Spiel einzeln und in Konferenz zu sehen ist. Eine Entwicklung, die wohl unter keinen Umständen aufzuhalten gewesen wäre. Die ihren Ursprung aber an einem verregneten Tag im April 1995 hatte, als ein paar visionär denkende Menschen aus einem Zufall heraus eine geniale Idee entwickelten.

Text: Markus Geisler

Fotos: GEPA pictures

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